Wertschätzung und Expertise bestimmen mein Handeln.

Im Dialog mit Ambros Gasser, geschäftsführender Gesellschafter von ASI Reisen, Gründer von WeDesignTrips und Schumbeta Leaders Club Mitglied #002

ASI Reisen zählt zu den renommiertesten Anbietern von weltweiten Aktivreisen. Das Portfolio umfasst mehr als 500 Reiseverläufe aus den Bereichen Wandern, Alpin, E-Bike und Experience. Pro Jahr verreisen rund 25.000 Gäste in mehr als 75 Länder. Dabei können Kunden selber entscheiden, ob sie in einer Kleingruppe mit geprüftem Guide oder individuell unterwegs sein möchten. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 40 Mitarbeiter in der Zentrale in Natters und 250 freiberufliche Guides auf der ganzen Welt.

Seit Anfang Jänner ist ein hauseigenes Start-up mit Sitz in der Werkstätte Wattens am Start. WeDesignTrips ist eine Online-Plattform, welche Reisende direkt mit handverlesenen, lokalen Reiseveranstaltern in Kontakt bringt. Gemeinsam mit lokalen Insidern können so maßgeschneiderte Reisen geplant und organisiert werden. Neben dem Vorteil der Individualisierung von Reisen liefert diese Form der Reiseplanung einen weit höheren Betrag zur lokalen Wertschöpfung.

Du bist nach Felicitas Kohler von planlicht gleich zu Beginn Mitglied im Leaders Club geworden. Was hat Dich so früh überzeugt?

Ich denke man muss nicht immer der Erste sein, aber zumindest früh dabei, wenn man an eine Idee glaubt – in diesem Fall die Vernetzung von etwas anders denkenden UnternehmerInnen.


Du führst ASI Reisen mit sehr viel Leidenschaft in eine neue Ära. Was ist Deine unternehmerische Philosophie bzw. Leitgedanke?

Wertschätzung und Expertise sind für mich die zentralen Gedanken, welche unser Handeln bestimmen. Wertschätzung bedeutet für uns ehrliche, ernsthafte Beziehungen zwischen Menschen herzustellen. Das gilt für unsere Mitarbeiter untereinander, zu unseren Kunden, Partnern und der lokalen Bevölkerung. Nur so können wir es schaffen Interessen, Erwartungen und Bedürfnisse aller Beteiligten bestmöglich in Einklang zu bringen. Mit Oberflächlichkeit kommt man nicht weit. Expertise bedeutet für mich die richtigen Menschen in unserer Seilschaft zu haben. Mitarbeiter und Partner, welche sich mit unseren Produkten und Erlebnissen identifizieren. So schaffen wir es, Sinn in unser tägliches Handeln zu bringen und unser Expertentum auszubauen. Es entsteht Resonanz zwischen uns – und die Schnittstellen unserer Prozesse werden so effizienter. Wertschätzung und Expertise sind unsere Basis, welche uns hilft, mutig und veränderungsbereit zu bleiben.


Während sich Konzerne um Startups matchen, hast Du dieses Jahr ein 100% Spin-out auf Schiene gebracht, um die Reisebranche aufzumischen. Was erwartest Du Dir von diesem neuen Abenteuer? Wie verlief der Start?

wedesigntrips.com ist unser hauseigenes Startup, welches sich sehr unabhängig von ASI Reisen entwickeln kann. Wir stellen auf unserer Plattform den direkten Kontakt zwischen Reisenden und lokalen Reiseexperten her. Wir greifen also auch ein wenig das ASI Wertschöpfungsmodell an, gleichzeitig passiert dies aber ohnehin an anderen Stellen im Markt. Ich denke heutzutage macht es Sinn, sein Geschäftsmodell ständig zu hinterfragen und ggf. an anderer Stelle ein neues auszuprobieren. Die Verkürzung der Distributionskette unter zusätzlicher Generierung von Kundenmehrwert ist in unseren Augen eine gute Ausgangsposition. Seit 9.1. sind wir nun online und bekommen sehr gutes Feedback. Sowohl was das Interesse der Presse betrifft, als auch vom Markt. Spannend sind für uns die sehr unterschiedlichen Buchungen die wir bis dato generiert haben. Das reicht von der High End Safari & Golf Reise nach Südafrika bis zum anspruchsvollen Zelttrekking in Nepal.


Nachhaltigkeit ist gerade in der globalen Reisebranche ein heikles Thema. Wie geht ihr in Deinen Unternehmen damit um?

Wir versuchen das Wort Nachhaltigkeit ganzheitlich zu verstehen. Also sowohl die ökologische, soziale und ökonomische Seite. Ökologisch gesehen ist jede Reise, die man tut schlecht. Je weiter weg desto schlimmer. Insofern veranstalten wir bei ASI den Großteil unserer Reisen in Europa. Unsere Fernreisen planen wir etwas länger, um den CO2 Ausstoß pro Reisetag zu senken. Darüber hinaus setzen wir verschiedene Maßnahmen um unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner dabei zu unterstützen und zu sensibilisieren. Wir legen Wert auf die ganzheitliche Betrachtung von Nachhaltigkeit und nennen dies bei uns Lebenswerte. Dabei geht es uns wiederum sehr stark um ein wertschätzendes, soziales Miteinander. Weitere Infos dazu findest Du hier: http://www.asi-reisen.de/warum-asi/fair-und-auf-augenhoehe.html

Bei WeDesignTrips ist das Geschäftsmodell in sich ein Fortschritt hinsichtlich der ökonomischen Nachhaltigkeit und der lokalen Wertschöpfung. Laut UNWTO fließen durchschnittlich rund 15-30% des Reisepreises ins Zielgebiet. Bei WeDesignTrips ist dieser Faktor 3-4 mal so hoch.


Wenn man den Unternehmenssitz von ASI über Innsbruck besucht, spürt man eine besondere Stimmung. Der Umgang ist locker aber professionell. Welche Bedeutung siehst Du in der Unternehmenskultur?

Wir haben viel Spaß bei uns im Natterer Wald. Mitarbeiter können während der Arbeitszeit Tischtennis spielen, Klettern, Slacklinen oder auf Walking Meetings im Wald gehen. Alle zwei Wochen kommt eine Shiatsu Masseurin, es gibt einen Obstkorb, regelmäßige Frühstücke und Mitarbeiter haben ein jährliches Budget um an unseren Reisen teilzunehmen. Dennoch sind wir kein Spaß-Verein, sondern ein Unternehmen mit klar definierter Mission und quantifizierten Jahreszielen. Wir machen es lediglich auf unsere Weise.


Du leitest ASI Reisen in zweiter Generation. Dein Vater und Unternehmensgründer ist leider früh verstorben. Was glaubst Du würde er heute zur Entwicklung und Deinen Schritten sagen?

Gute Frage. Ich denke es würde ihn in erster Linie stolz machen, dass meine Mutter nach seinem Tod die ASI weiterführte und in die zweite Generation brachte. Das war eine unglaubliche Leistung, hat sie schließlich davor nie in der Firma mitgewirkt. Und ansonsten wäre er wohl zufrieden, dass unsere Philosophie immer noch gelebt wird und der Kern unseres Handelns ist. Nämlich Menschen auf sanfte Art und Weise für Natur und Kultur zu sensibilisieren. Die Abenteuerlust unseres gesamten Teams und der unternehmerische Geist, Neuland zu entdecken, entspricht natürlich auch seinen Eigenschaften als Bergführer und Expeditionsleiter.


In einer Zeit von omnipräsenten, sozialen Medien und deren Nutzung auf Smartphones – wie verändert sich da die Kultur des Reisens?

Mit unseren Unternehmen müssen wir soziale Netzwerke natürlich nützen. Es gibt viele spannende Dinge, die wir darin ausprobieren können. Einige funktionieren, einige nicht. Insbesondere mache ich mir aber auch große Sorgen darüber. Man kann heutzutage schon das Gefühl bekommen, dass manche Menschen nur des Contents wegen reisen. Es wird nicht mehr gereist, gestaunt und innegehalten. Vielmehr wird inszeniert und überlegt wie man seinen Trip und seine Person bestmöglich in den sozialen Medien darstellt. Wofür? Einen Like? Eine Interaktion? Der Kern des Reisens, die Welt und sich selber zu erleben, geht dabei verloren.


Wo siehst Du Dich und ASI Reisen und WeDesignTrips in 5 Jahren? Und uns mit dem Schumbeta Leaders Club?

Naja, nachdem man ohnehin nie ankommt, wohl weiterhin in einem Lernprozess. Für unsere beiden Themen wäre es schön noch mehr Gefährten zu finden.

Attacke.

Ein- und Ausblicke in unser Schaffen.